Theater
Besuch der ersten Klassen im Theater Rumpelstilzchen - hierzu der Bericht aus der Zeitung:
Stroh ist auch ganz schön
Der Patriot 23.03.2011

Macht Gold wirklich reich – oder einfach nur blind?
„Rumpelstilzchen“ gab eine ebenso eindeutige wie humorvolle Antwort
Lippstadt - Der Müller hat mal wieder zu viel herumgeprahlt. Büßen muss es letztendlich seine Tochter Marie, die dem König Konrad nun aus Stroh Gold spinnen soll. Der kann sich daran nicht satt sehen, badet seine Hände darin und putzt sich mit güldenem Papier sogar den Allerwertesten.
Das Theater Mimikri aus Büdingen führte am Dienstag das Märchen „Rumpelstilzchen“ im Lippstädter Stadttheater auf. Die Inszenierung ist eine moderne, liebe- und humorvolle Version des Märchens, die sich weitgehend an die Vorlage der Gebrüder Grimm hält. Ab und zu wird gestrafft. So erscheint das Rumpelstilzchen nur zweimal in der Kammer, um Stroh zu spinnen und auch die Suche nach dem Namen wird verkürzt.
Inhaltlich modernisiert wurde das Märchen insofern als die den Märchen anhaftende Brutalität herausgenommen wurde. Während sich in der Grimm’schen Version das Rumpelstilzchen zerreißt und im Erdboden versinkt, überlebt es hier und tanzt nach gelungener Kindsübergabe freudig mit.
Dem Mimikri Theater, das 2009 mit dem Inthegra-Preis für künstlerisch wertvolles Kindertheater ausgezeichnet wurde, gelingt es, die Absichten des Märchens zu veranschaulichen. Etwa zu zeigen, dass die Gier nach Gold und Materiellem allgemein nicht glücklich macht; dass der Mensch wichtiger ist, als alles Gold der Welt; dass man halten soll, was man verspricht und dass man nicht voreilig etwas dahersagen soll.
„Gold macht blind und Stroh macht reich“, sagt das Rumpelstilzchen (Lilly Schwethelm), als es sein Baumhaus im Finsterwald putzt. Die Rufe des Königs (Stefan Georg) nach immer mehr Gold zeugen von einem gewissen Suchtpotential. „Was willst du. Mich oder das Gold“, fragt Müllertochter Marie (Christiane Burkard) den König, der um ihre Hand anhält — zunächst wohl wirklich nur wegen ihrer angedichteten Fähigkeit, aus Stroh Gold spinnen zu können. Der aber wird geläutert; kümmert sich nicht nur rührend um seine Tochter Lotte, sondern bemüht sich auch, das Stricken zu erlernen. Da schleicht sich also auch das Thema Gleichberechtigung ein.
Effektvoll kommen die aufwändig gearbeiteten Kostüme daher, die die Charaktere zur Wirkung bringen. Der König stolziert im Brokat-Gewand umher, die Marie sieht ein wenig verzottelt aus und das Rumpelstilzchen taucht in spitzen Schnabelschuhen und hexenähnlichem Kostüm auf. Das Bühnenbild wartet mit bunten Blitzen und in der Dunkelheit funkelndem Stroh auf. Das verzaubert und erregt in der bekannten und darum sehr absehbaren Geschichte große Aufmerksamkeit. - rio

